Das reiseskeptische Globetrotter-Magazin

Wilder Westen

27.10.2013 10:05

Wolf-Rüdiger (47), Tierhotelier aus Haferhein:

Ich wollte mir einen Kindheitstraum erfüllen, buchte zwei Wochen Santa Fe 1855 (TUI €2999.-), kam im „Raumzeit-Airport Wildwest“ an, nahm die bestellte Ausrüstung (Wildlederklamotten, Stiefel, Sporen, Schießeisen und Gaul) entgegen und ab in den Sonnenuntergang.

Nach ein paar Kilometern, ich spürte bereits mein Sitzfleisch zäh werden, kamen mir zwei Prärieschrate in Lederfetzen und Wucherbärten entgegen, ihre Flinten im Anschlag. Ich versuchte, Coolness vorzuschützen und den Revolver um den Zeigefinger herum zirkulieren zu lassen. Doch er entglitt mir, ich konnte froh sein, dass meine Hand ihn noch einfing. Sicherheitshalber schob ich ihn wieder in den Halfter. Als ich den beiden Wildwestschraten Pferd an Pferd gegenübersaß, richtete der mit dem Staubhut dumpfe Worte an mich. Ich verstand keine Silbe, drückte mein Rückgrat auf dem Gaul durch, schickte Spannung in die Arme, streckte die Hand seitlich neben dem Halfter aus - bereit augenblicklich zu ziehen, und sprach: „Say your prayers, gentlemen!“. Da ereilte den Kleinere mit dem dreckverkrusteten Igelkopf ein Lachanfall. Er ritt prustend neben mich, gab mir aus dem Handgelenk einen Schubser und beförderte mich auf den Präriesand.

Die Demütigungen wiederholten sich. Am meisten schmerzte, wenn mich die Damen in den Saloons Santa Fes meiner Deplatziertheit wegen verspotteten und auch gegen harte Bucks mein Werben um ein Schäferstündchen ausschlugen.

In der Folge unternahm ich viele weitere Versuche, Westmänner zu provozieren, damit sie mir den Lebensgeist ausbliesen; doch es half nichts. Mit meinem Schießeisen kam ich nicht klar, und der Rückflug ging erst zwei Wochen später.

 

Authentisch: Wildwesturlaub mit Eventgarantie

 

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Sockentragen in heißen Gefilden ergibt eine Fußnote.