Das reiseskeptische Globetrotter-Magazin

Voluntourismus - Feelgood-Ferien in der Dritten Welt

05.04.2018 09:31

Bei manchen hinterlässt der Urlaub an den schönsten Orten der Welt kein gutes Gefühl. Viele können die Gedanken an unter Skalvenbedingungen nähende Frauen und Kinder, an den Plastikozean und überhaupt an alles, was der westliche Konsum im Rest der Welt an Schäden anrichtet, schwer verdrängen. Doch auch für die Skrupulösen unter uns hat die Tourismusindustrie ein Angebot, das den Bedürfnissen gerecht wird. Beim Voluntourismus "fährt man nach Haiti, um Häuser aufzubauen, studiert Amazonasdelfine oder arbeitet auf einem Biobauernhof in Rumänien" (Spon). Mit der Reise kauft man gleich das Gefühl mit, Gutes zu tun. Im  Reisepaket enthalten ist die Entlastung des eigenen Konsumentengewissens. Travelmag Heimweh hat die Vorteile wie Benefits für Travel-Helfer und Hilfenehmer zusammengetragen.

  • Voluntourismus greift die altbewährte Idee des Kolonialismus auf, wonach ein Mensch aus Europa die Probleme im reichtumsfernen Teil der Welt mal schnell im Vorbeireisen lösen kann.
  • Die Geste zählt: Es hilft schon, wenn Arme Priviligierte im real life sehen, wie diese ihnen die Daumen drücken.
  • Überforderte Volunteers fördern die Hilfekompetenzen der eigentlichen Hilfeempfänger.
  • Volontarismus in Waisenhäusern führt zwar der pädagogisch falschen Heimunterbringung Devisen zu. Die Waisen lernen aber so von Kindesbeinen an, dass sie auf Hilfe aus dem Westen angewiesen sind.
  • Kinder, die dafür eigens von ihrer Familie getrennt werden, nabeln sich frühzeitig von zuhause ab, werden resilient und durchsetzungsfähig.
  • Voluntourismus schafft zwar ökonomisch eine Nachfrage nach Armut. Dadurch fühlt sich Armut aber besser an, weil sie durch Befriedigung dieser Nachfrage einen Sinn erhält.
  • Insofern ist Voluntourismus sogar nachhaltig.

 
Schwer okay: Buffet für Volunteers in Disneyland Paris.

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Sockentragen in heißen Gefilden ergibt eine Fußnote.