Das reiseskeptische Globetrotter-Magazin

Vatikan

31.08.2014 18:55

Jesus hatte gegen die Reichtümer der Pharisäer gewütet, später übernahmen die Nachfolger Petri und Statthalter Gottes diese Aufgabe im Vatikan. ― Freilich mit der Weiterentwicklung, dass die Päpste es nicht bei einem Wutanfall und ein paar Tonscherben beließen, sondern den Bigotten deren Schätze entrissen, um ihre Seelen von der Sündenlast zu befreien.

Wie viele Menschen die Päpste vor der Hölle bewahrten, können Sie anhand der in den vatikanischen Museen dokumentierten Reichtümer ermessen: Räumlichkeiten aberwitziger Pracht, die prunkvollsten Gold- und Juwelenexponate aus dem alten Orient, die geilsten Adonisse und Aphroditen der Antike, die edelsten Werkzeuge der Heiligen Inquisition, die echtfarbenintensivsten Gemälde der Renaissance u.u.u. Sie benötigen Tage, um all das zu sehen, was den Sündern wegzunehmen zwei Jahrtausende gedauert hat. Niemand vermag zu beziffern, wie viele Fantastilliarden all die Schätze wert sind.

Wollen Sie wissen, wie der Vatikan heute die Gläubigen von weltlichen Gefahrgütern befreit, wenden Sie sich vertrauensvoll an einen der Schweizer Gardisten in den (stauraumintensiven) rot-blau-gold gestreiften Pluderhosen. Der Wunsch, den deutschen Friedhof zu sehen, wird Ihnen alle Tore öffnen (aber auf keinen Fall auf Italienisch sagen „campo santo teutonico“!).

Doch Achtung: Die Exposition gegenüber so vielen Dokumenten des Pharisäertums wird sie aufwühlen und Ihr Seelenheil bedrohen! Dagegen ist eine Massenaudienz beim Papst auf dem Petersplatz ein Tropfen Wasser auf einen dampfenden Hügel aus Kot; dank Luther gibt es keine Ablassbriefe mehr, und die Inquisition ist ebenso abgeschafft.

Anselm O. aus Ortrand kühlte sein Gemüt mit süffigem Klosterbier. Und blieb zuhause.

 

Unter "Bettelpapst" (Oliver Maria Schmitt) Franziskus gehen die Vatikanischen Museen diskreter mit ihren Reichtümern um. Für diese Fäden zur optischen Ablenkung musste man jedoch mangels anderen Materials Gold verwenden.

 

 

Dank an Christin T.

 

 

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Sockentragen in heißen Gefilden ergibt eine Fußnote.