Das reiseskeptische Globetrotter-Magazin

Militärhistorische Reisen

31.08.1939 05:45


Ihnen ist das abendliche Histotainment mit Maximilian Schells sonorer Märchenstimme und den malerisch inszenierten Schlachten zu unauthentisch? Bei Guido Knopps softem Nazitainment fehlt Ihnen total das archaische Gefühl des unermesslich qualvollen Massensterbens? Dann bringen Sie geschichtsbewusste Anbieter auf "militärhistorischen Reisen" zu den pittoreskesten Schlachtfeldern der Geschichte.

Erkunden Sie, warum der Westwall den Alliierten 1945 zu niedrig war, aber dennoch 68.000 toten Soldaten ein Grab bot, hören Sie noch das dumpfe Trampeln der Soldatenstiefel in den Bunkern von Ostwall und Riesengebirge, lauschen Sie dem ewigen Echo vom Endsieg Hitlers in der Wolfschanze und dem Kriegsgejodel auf dem Obersalzberg. Betreten Sie in Verdun den Boden, der einst unter zweieinhalb Millionen Artilleriegeschützen erbebte, und auf dem 800.000 Leiber zerfetzten. Spielen Sie die Gemetzel von Leipzig, Waterloo, Stalingrad vor Ort mit Zinnsoldaten, Computersimulation oder auf dem Mentalschlachtfeld nach. Eruieren Sie schließlich, mit welcher Strategie Sie die Battles siegreich gestaltet hätten.

Gebäudeschutzmann a.D. Horst U. aus Zwolle fand viele gleichgesinnte Freunde, als er auf den Reisen insistierte, dass Hitler ein lausiger Feldherr und der zweite Weltkrieg locker zu gewinnen gewesen sei.

Denen, die das alles für makaber halten, sei gesagt: Das ist Geschichte seit jeher. Und die Blumen schert es nicht, auf welchem Boden sie ihre Blüten trei ben. Tourismus jedenfalls gedeiht auf Blut besonders gut.

 

 

Menschenblutdurchtränkte Erde, malerische Massengräber, Gottesäcker im Sonnenschein

 

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Sockentragen in heißen Gefilden ergibt eine Fußnote.