Das reiseskeptische Globetrotter-Magazin

Luxuscamping

09.02.2014 10:52

 

Der Premium- und fünf-Sterne-Campingplatz Hopfensee im schönen Allgäu lässt „keinen Raum für Fantasie“ (Gerhard Polt): blitzsauber-gemütliche Sanitäranlagen laden zu dauerhaftem Verweilen ein; das „Spielhaus“ aus Massivholz mit integriertem Fußballplatz macht die großen Kinder müde, die Kleinen spielen gemäß neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen in der Babbel-Box, und die erwachsenen Kinder fläzen sich im „Wellness-Spa Al Hambra, 1001 Nacht“, das manchen Sultan neidisch gemacht hätte. Dazu gibt es TV-Großraumkino, Hundedusche, Golfakademie, Alphornblasen u.u.u. Das beste aber: statt in der Bettlandschaft eines Hotels nächtigt man verwegen und naturverbunden im Freien.

 

Der Glückstädter Pflanzenarzt Lars-Oliver Z. und seine Frau Frauken wählten im Januar 2014 Hopfensee für den Jungfern-Roadtrip ihres zweistöckigen Kabe Royal Tower (153.000 Euro). Beide liebten sie die Unabhängigkeit, doch wahre Freiheit konnte sich nur einstellen, wenn das Nötigste an Komfort mitfuhr. Nach vollklimatisierter Fahrt mit kühlen Pausen gönnten sich Lars-Oliver und Frauken abends einen Besuch in der Zirbelholz-Stubensauna. Auf dem Rückweg wurden die beiden auf eine Gruppe auffallend höflicher Punks aufmerksam, die das Gefährt anerkennend musterten. Zur Unterstreichung ihrer Wertschätzung streckten die Punks die Daumen hoch.

Die Geste wiederholten sie täglich, bis Lars nach einer Woche erschrocken feststellte, dass der Royal Tower aufgebrochen war. Sofort kamen ihm an die Punks in den Sinn, aber von denen war nichts mehr zu sehen. So lange Lars-Oliver und Frauken ihr mobiles Domizil dann auch inspizierten, es fehlte nichts: keine Flasche Edelriesling, kein Gramm Pastete, kein Kaviarei, keine Flasche Bier, noch nicht mal eine Kreditkarte. Auch wummerten aus der Musikanlage weiterhin gestochen klare Bässe, und die TV-Satellitenanlage sendete die Ekeleien des Dschungelcamp in feinstem full-HD.

Als Lars-Oliver abends nach dem Zähneputzen die im nahen Neuschwanstein aufgenommenen Fotos auf seiner Spiegelreflexkamera durchklickte, wurde ihm klar, wie ihnen stattdessen mitgespielt worden war: Die Punks hatten sich gegenseitig dabei abgelichtet, wie sie mit Fraukens Seidenbluse ihre Ohren reinigten, mit Lars-Olivers Rasierwasser ihre Ratte bestäubten, auf dem Seidenteppich Gruppen-Fellatio praktizierten und die Zahnbürsten in den Anus einführten.

 

Mit ein wenig Luxus fühlt sich das Freiluftabenteuer Camping viel besser an.

 

 

 

 

 

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Sockentragen in heißen Gefilden ergibt eine Fußnote.