Das reiseskeptische Globetrotter-Magazin

InterContinental

30.05.2013 17:19

 Geschäftsleute  wissen oft nicht, in welcher Stadt, ja in welchem Land sie morgens aufwachen. Diesen Service hat man in InterContinental perfektioniert: Dem Hotel merken Sie noch nicht mal an, in welchem Erdteil sie logieren.

Das Goldemblem begrüßt den Rottweiler Getreideoptionenhändler Armin G. an der Pariser Rezeption genauso anonym wie an der von Lagos/Nigeria. Das Schlafgemach bettet ihn von Bora Bora bis Medellin, von Okinawa bis Almaty/Kasachstan in austauschbare Edelstrickdeckenoptik neben Designermöbeln und frischgelecktem Parkett. Zum Einschlafen guckt Armin in die immer gleiche LCD-Flachbildschirmröhre mit Global-TV und Pornos, die er noch vom letzten Aufenthalt in InterContinental mitstöhnen kann.

Ausgelaugt von der Heftigkeit seines Solosexes beschweren Armin im meist businessfarbenen Spa Lavasteine aus dem All den Rücken, während überdosierte Aromaimitate den globalen Körper einhüllen. In sein Ohr dringen synthetische Ethnotöne , und wenn er Lust auf Sport hat, nehmen ihm futuristische Laufbänder das Laufen bzw. Elektroden das Muskeltraining ab.

Kooperationen mit überall angesiedelten Fluggesellschaften stellen sicher, dass Armin den Landeort nicht mitbekommt, Spezialtaxis lenken ihm beim Transfer ins Hotel von der Umgebung ab, wo angekommen ihn hoteleigene Zeitvertreibs-Apps vor Kontakt mit dem Land schützen. Jahrelange Erfahrung mit dieser Art des Reisens machte Armin zum Mitglied im standesbewussten Priority Club. So bekam er gratis weitere Reisen nach Überall, kulturübergreifendes Elektronikspielzeug und durch Spenden eines Teils seiner Priority-Club-Credits gar Karma-Punkte

Der Ort InterContinental fragt rhetorisch: „Do you live an intercontinental life?“ Armin kann es getrost bejahen. Genauso gut könnte er ins Erdinnere reisen.

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Sockentragen in heißen Gefilden ergibt eine Fußnote.