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Cost cutting im Urlaub

07.03.2015 09:09

 

Das Durchschnittseinkommen in Sri Lanka beträgt etwa 200 Euro im Monat.Trotz Fortschritten ist das Land noch von viel Armut geplagt.

 

Grietje van der Geits (38) reduzierte beruflich die Kosten für den Nahrungskonzern Unilever, indem sie die Auslagen von dessen Lieferanten erhöhte.

In Sri Lanka wollte sie mit Mann und ihren beiden Töchtern vom harten Alltag mit den obstinaten Zuarbeitern entspannen. An einem Abend gelangten sie im angesagten Dschungel-Bergort Ella an ein schönes kleines Guesthouse. Grietje begrüßte den freundlichen Betreiber mit der Feststellung, reserviert zu haben ("You can check this with your mail"). Dieser verneinte nach gründlicher Prüfung mit dem Hinweis, dass die Reservierung erst für den folgenden Tag bestünde. Zwar konnte Grietje ihre Ansprüche nur mit einer an ein anderes Hotel geschickten Email belegen, doch hielt sie das nicht davon ab, eine Gratisnacht einzufordern. Der Betreiber gab ihnen schließlich aus Kulanz ein Zimmer zum Normalpreis; schließlich waren Grietje und ihr schweigsamer Mann mit zwei Kindern unterwegs. Sein Instinkt unterdrückte die Bemerkung, dass Grietje bei der Buchung keine Kinder angegeben hatte.

Grietje holte im Laufe des Abends ein Dutzend Informationen bei dem Wirt ein, und ihre Stimme dominierte die kleine Guesthouse-Anlage weit mehr als die ihrer herumtollenden Töchter. Immerhin stellte sie die Frage, wie wohl die Dusche funktioniere, einem anderen Gast. Dieser hatte sie vorher beobachtet und antwortete: "50 Rupies [ca. 30 Cent] please". Konsterniert wandte sie sich wieder dem Betreiber zu.

Am kommenden Morgen saß Familie von der Geits an einem von nur drei Tischen der Frühstücksterrasse, obschon sie kein Frühstück bestellt hatten. Grietje informierte den überraschten Betreiber darüber, dass sie der nichtgewährten Gratisnacht wegen nun ein Gratis-Breakfast einnähmen. Um Aufsehen zu vermeiden, bediente der Betreiber sie. Anschließend telefonierte er in anderer Angelegenheit mit der Agentur in Colombo, über die die Familie auf ihn gekommen war. Der Agentur war Grietjes Verhalten, auf das das Gespräch dennoch gekommen war, so peinlich, dass sie für die verursachten Kosten aufkommen wollte. Aus Stolz lehnte der Betreiber ab.

Auch als Grietje schließlich für drei verbrachte Nächte und drei eingenommene Frühstücke den Preis zweier Nächte ohne Frühstück bezahlte, behielt er professionelle Contenance. Grietje würde er kein zweites Mal im Leben begegnen. Und Menschen wie sie waren geübt darin, Ärger zu bereiten. Zuviel Ärger, wo er die Unterkunft erst vor einigen Monaten übernommen hatte und auf gute Referenzen seiner Gäste angewiesen war.

            

Von cost-cutting-Touristen heimgesuchte Herberge

 

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Sockentragen in heißen Gefilden ergibt eine Fußnote.