Das reiseskeptische Globetrotter-Magazin

Asexuelle Ferien in ...?

28.09.2016 13:04

 

Die Welt ist durchsexualisiert - vom Plakat der brennenden Schritts an der Bushaltestelle bis zur Travelpussy auf der Toilette, vom Gemächt in den eigenen Gemächern bis zu den öffentlichen Warzen der Brust. Alle wirklichen und unwirklichen Spielarten der Sexualität, MF, FMFCK, PPS usw. werden auf allen Kanälen durchgenudelt, totgeritten und zur Inspiration weiterer Praktiken weggefilmt und ausgestellt. Klar, dass sogar die Asexualität in die Liste der wolllüstigen Spielarten der Liebe Eingang finden muss. - Grund jedoch für das Travelmag Heimweh herauszufinden, wo Sie, liebe Leser, Ihre Asexualität in Deutschland am besten ausleben können. Und sei es nur, weil Sie, genervt von der Geilheit bei Medien, Partner und Kindern, teilzeit-asexuell sind.

Das Problem bei der Findung des unsexysten Ort Deutschlands ist, dass sich zwar Berlin, Hamburg und Co. bescheinigen, die sexyste oder wenigstens heißeste Stadt (bzw. wärmster Ort) zu sein, dass aber noch keine Stadt die Wonnen der Asexualität erkannt hat, der in einen Claim wie "sexfreie Stadt Eisleben" münden könnte. Zwar wird Siegen von einem User tatsächlich als "sexfreie Stadt" angepriesen, aber bereits eine kurze Recherche widerlegt die Behauptung. Die Alternative "sexlos" führt hingegen meist an Orte, wo es zwar kaum Sex, aber dafür überbordenden Triebstau gibt, siehe Sachsen. Die Gleichung langweilig = sexlos funktioniert genausowenig. Was sollte man in einer Stadt wie Hannover oder Koblenz anderes tun, als sich mit dem Körper seines Nächsten zu befassen? Ja, noch nicht mal Alter garantiert die Unwichtigkeit der wichtigsten Hauptsache der Welt: Die Senioren-Hochburg Chemnitz verfügt über eine lange Liste von Anbahnungsveranstaltungen für Gerontophilile.


Man muss anders an die Sache herangehen, ganz anders. Doch dann betritt man weitere Problemfelder. Asexualität setzt die Abwesenheit jeglichen sexuellen Anschauungsmaterials voraus: weder lebende Menschen, noch Tiere, Pflanzen, noch deren Abbildung und Geräusche, insbesondere kein Internet. Und damit nicht genug, muss auch die Fantasie des asexuellen Urlaubers ausgeschaltet werden. Denn oft führt nachgerade die Entspannung, das Abschalten, die Besinnung auf sich selbst zu Geilheit - und Solosex. Abhilfe: sich in einer internetfreien Zone auf dem freien Feld mit einer einem unangenehmen Paste einreiben und an Negatives denken. Tun Sie sofort nichts, denn in jedem Tun steckt ein sexueller Antrieb. Finden Sie aber auch keinen Gefallen am Nichtstun, denn dies könnte den Teufelskreis aus Glück, Lebensfreude und Sexualität sofort wieder los drehen.


 

Guter Versuch der sexlosen Werbung* für Karlsruhe. Allerdings befeuert der Claim "viel davor, viel dahinter" das Verlangen nach dem, was einen in der toten Stadt umgibt.

* aus Urheberrechtsgründen nachgestellt

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Sockentragen in heißen Gefilden ergibt eine Fußnote.