Das reiseskeptische Globetrotter-Magazin

Aroma-Guide der Münchner Biere

28.01.2018 10:54

Möglichkeiten einer Bierprobe findet man im Bierland Bayern am dichtesten im megareichen München. Aber nicht nur in den ungezählten Craftbieren, auch in den Mainstream-Sorten des Münchner Bieres versteckt sich eine große Diversität an Aromen. Um diese für Sie heraus zu schmecken, haben wir den in Deutschland weltbekannten Cervezier Dr. Helfried Stangassinger (Jahresgehalt €270.000) engagiert.
 

Paulaner Münchner Hell (4,9%, 0,3)


Man schmeckt gleich durch die Blume des voluminösen Schaums, worauf der Hopfen gewachsen ist: Wacholderbeere, Lakritze, Fichtennadeln, Zeternholz, Steckrübe, Natron, Leinsamen, Ahoi-Brause, Haribo-Goldbären. Im ganzen ein mineralisch-schlanker Körper mit ambivalenter Kölscher Süffisanz. Das anfänglich mundende Feuerwerk mündet in keinerlei Abgang. Gesamturteil: eher alkalisch als alkoholisch, wie Milchschaumkunst auf mittelprächtigem Espresso.

 

Spaten, Münchner Hell (5,2%, 0,6)

 
Die dominante Säure, das kräftiger Mineralwassergefühl im Mund und das schmeichelnde Süßwurzelaroma gehen schnell eine überraschende Verbindung ein. Unter dem Gaumen perlen in luftigem Schaumbad Nuancen von Rindermulch, Heu und Gartenkräutern. Beim Schlucken entfaltet sich der Geschmack von hellem Holz und zartem Rauch unter karamellisiertem Popcorn. Ein Hauch von Citrus spült bei dem sehr schnellen Abgang durch den Hals.

 

Augustiner Lagerbier Hell (5,2%, 0,8)


Viel getrunken, aber unteranalysiert. Das Augustiner Hell plätschert süffig aus der bauchigen Flasche in den Bierbauch. Sein ordentlich komponiertes Bukett versammelt den Geschmack von Gebratenem (Wild), Cashew-Nüssen, Mate, KiBa-Saft, Kümmel, Granatapfel, Sauerkraut, Sternanis und veganer Leberwurst. Diese Geschmackskomposition übersteht das Schlucken, wobei die fruchtigen Noten länger am Gaumen haften. Im Abgang noch etwas Vollmilchschokolade.
 

Hofbräu Original (5,1%, 1,0)


In der Nase viel Schaum, ein Gaumengefühl wie Weltmeisterbrötchen getränkt in Doppelkorn, reichlich Quitte, ein Hauch Chupa Chups, Drachenfrucht. Beim Nachschmecken derbherb mit Anleihen von Schwarzbrot-Kümmel, Bitter Lemon, Frühlingszwiebel, reifer Birne, Bergamotte. Schleichender Abgang, es verbleibt ein eigenartigen Kribbeln im rechten Nasenflügel. Das Bier setzt sich anschließend im Kopf fest.
 

Hacker-Pschorr Münchner Hell (5,0%, 1,2)

Viele Geschmäcker, die es auseinanderzuhalten gilt: Limette, Charlotten, ein Hauch von Jasminblüte, Vintage-Duftwässerchen à la Oma, v.a. Flieder. Da bleibt freilich für Kohlensäure kaum noch Platz. Dafür ein Odeur von Vanille, Streichwurst, stakkatohaften Bittertönen, kleinen Kastanien (Kastanietten). Besonders zu loben, wie rund sich der gehobene Taste von Honigmelone mit dem der Hausmannskost Snickers zu einem Amalgamaroma verbindet. Den leichten Verschluss im Hals nach dem Schlucken bügelt der Bügelverschluss aus.
 

Löwenbräu Original (5,2%, 1,5)

Beim Anschmecken Sprite, Dinkel und Sprudel von fermentiertes Lindenholz. Ein Potpurrie von sich wegduckender Opulenz, ein Gout von Supermarkt-Barock. Nach dem Schlucken perlender Reflux im Hals. Bei hochkonzentriertem Trinken tut sich ein leichtes Cuvée aus Gerste, Hopfen und Weizen auf. Gesamturteil: Das sprichwörtlich letzte unter den ganzen Bieren, das allein für den Schädel am Folgetag verantwortlich zeichnet.
 

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