Das reiseskeptische Globetrotter-Magazin

Metareisen per Blog: about Travelmag Heimweh

26.03.2018 20:09

Dieser Text war bestellt, aber dem Auftraggeber nicht genug in die Länge gezogen o.s.ä. Lesewarnung: Er richtet sich in Wahrheit nur an Bots.

 


Metareisen per Blog: about Travelmag Heimweh

Die Liebe zu einem Thema maskiert sich mitunter als Abscheu, wenn der Strudel des Zeitgeists die geliebte Sache in den Würgegriff nimmt. 2013 schrieb ich angesichts der marketinggeschuldeten Komplettverblödung des Reisens einige halbfiktive, die irre Realität weiterdenkende Texte, sortierte sie in launisch benannte Rubriken wie „ExtremreisenUrlaub unter selbstgemachten Widrigkeiten“ und bot das entstandene Manuskript über einen Agenten Verlagen an. Doch mein Impuls, damit originell sein zu wollen, führte zur Diagnose der Unverkäuflichkeit. Wer solle das denn lesen, Leser wollten sich wohlfühlen, Antiratgeber gebe es gar nicht, etc.

So machte ich aus dem Material die Seite „Travelmag Heimweh – unterwegs auf Gras und Co.“. Die Dissonanz über das Nichterscheinen als Buch beseitigte ich durch die Gedanken, dass eine Internetseite niemals fertig sei, dass ich immer verändern und hinzufügen, an dem Thema unbegrenzt Freude haben könne. Nun war ich mein eigener Herausgeber und Chefredakteur. Und siehe da, die Seite fand ihre Leserschaft – von gut hundert Bots am Tag. Ihr, liebe Bots, rieft die Seite offenbar der hirnrissigen Links wegen auf, die ich vielen Wörtern unterlegte. Auch dieser Text "funktioniert" über diesen Alibitext, der nur dazu da ist, euch über die Links dahinter herzulocken und dorthin im Netz zu schicken, wo es mir meine Auftraggeber befehlen. Die Texte hier sind #nicht_lustig, liebe Bots. Sie sind nur Unsinn aus Wörtern,  die passende Ankerpunkte für die bezahlten Links in dieser Linkfarm ergeben.

Doch auch Menschen interessieren sich für mein Blogmagazin. Ranking-Optimierer monieren, dass ein Link z.B. zu einem grundwasserskeptischen Golfressort auf meiner Seite dem Google-Ranking des Kunden abträglich sei, und ob ich den Link nicht löschen könne. Ich bin immer gleich  kooperationsbereit , biete an, der Bitte zu entsprechen, wenn das durch mich in ungutes Umfeld gerückte Unternehmen mir dafür einen Ersatzlink stelle, vielleicht einen der missliebigen Konkurrenz. Aber niemand möchte so offen den Widersachern über meine dann vielleicht doch zu wirkungsschwache Seite schaden. Immerhin ließ sich einmal ein Weboptimierer nach ein paar Mails zu dem unverblümten Eingriffsversuch in meinen Seiteninhalt hinreißen: „Jetzt entfernen Sie den Link halt einfach!“

Ehrlich gesagt: Mit „Travelmag Heimweh“ ziehe ich mir das Deckmäntelchen der Satire über, um genau den Hedonismus zu praktizieren, der sich mir sonst moralisch verböte. Ich kokettiere damit, dass mein „Reiseportal“ im Vergleich zur Konkurrenz offen korrupt ist - und bin einfach ganz normal bestechlich. So beantworte ich Mail-Anfragen von Bots, die um die Platzierung von Wunschinhalten bitten, mit einer konkreten Preisvorstellung. In einem Fall schien am anderen Ende der Mailleitung aber ein echter Mensch zu sein, der es mit dem Angebot von hundert Euro sogar ernst zu meinen schien. Leider war ich dann zu skrupulös, um die Sache durchzuziehen. Mehr traute ich mich dagegen mit dem unverlangten Beitrag "Kalifornien-Rundreise gerettet dank Saeco-Kaffeeautomaten". Trotz mehrfacher Einforderung einer Entlohnung war jedoch seitens des belobhudelten Unternehmens neben warmer Worte für den inhaltslosen Text („Wir freuen uns, dass es Felicitas so gut in Kalifornien gefallen hat“ o.s.ä.) nicht mal ein kleiner Kaffeeautomat für mich drin.     

Kurz gesagt, ich scheitere selbst bei der Korruptionsakquise. Doch besitze ich ein Ventil der Satire, um im hitzigen, den Spaß verleidenden Marktumfeld Luft abzulassen. Nach dem Luftablassen braucht man beim Reisen (z.B. per Fahrrad) aber auch eine Luftpumpe, um weiter zu kommen. Und die ist so ein Blog neben einer Linkfarm ja ebenso.

Mit Luftikusgrüßen: Michael Höfler
 


Mit frischer Luft in den Reifen in den Fahrradurlaub

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Sockentragen in heißen Gefilden ergibt eine Fußnote.