Webwandern

30.03.2014 10:39

Finn-Marvin (13) litt neben Kurzatmigkeit unter seiner wanderwütigen Mutter. Diese insistierte, dass Finn-Marvin, wenn er schon qua Chipsbauch zu keinem richtigen Sport geeignet sei, sich dann doch wenigstens ebenfalls im Wandern üben solle. Wo er Tag und Nacht auf der Couch vor dem Bildschirm "herumgammele"! Dass Finn-Marvin Profisportler in der Electronic Sports League Pro Series war und als solcher im letzten Jahr mehr Geld als sie im Haarschneidegewerbe verdient hatte, wollte sie nicht gelten lassen.

Doch Finn-Marvin fand einen Weg, um ihr einerseits den Wanderwunsch zu erfüllen und gleichzeitg in gewohnten Pfaden zu verbleiben. Eine Sekunde Nachdenken, ein begleitendes Zehenwippen und ein paar kleine Fingerbewegungen auf der Tastatur ebneten ihm den die Strecke: Webwandern!

Bereits einen Tag später konnte er seiner Mutter berichten, dass er die Mammut ultimate bewältigt hätte, welche sogar auf einen über 2000m hohen Gipfel geführt habe, worauf der Mutter Mund, auf den Scherz mit einem Gegenscherz reagierend, von einer namentlich seines Körperbaus gemäßen Tour sprach. Davon zu spektakuläreren Erlebnissen ermutigt bewältigte Finn-Marvin die nächste Webtour (Dauer: 1m, 29) und gleich noch eine, auf der er dem Wegweiser "Erlebnis Wandern" folgte und auf eine darauf spezialisierte Webwander-Seite gelangte. Dort gefiel ihm der Hinweisschriftzug "GPS-Schatzsuche", und er konnte seiner Mutter am Abend stolz berichten, dass er als Geocache einen Kompass gefunden hatte. Nun war der Scherz eines virtuellen Geocaches seiner Mutter, die nicht mal über reale Geocaches bescheidwusste, schwer zu vermitteln. Worauf sich die Mutter dennoch mit der Pointe revanchierte, dass Finn-Martin eben in allem bewandert sei, was seinem Körper zuwider lief.

 

Beim Webwandern erlebt man mitunter ein Wechselbad der Motive.