Streetfood: Schlemmen im Straßenstaub

28.02.2017 18:17



Der trendigste Ernährungstrend heißt Streetfood. Streetfood-Reisen schenken dem gehetzten Metropolenbewohner Erholung im heißkochenden Moloch einer anderen Stadt. Dort stillt mit der Exotik des Unbekannten gewürztes Straßenessen den großen Hunger zwischen Lunch und Dinner. Travelmag Heimweh hat für Sie den heißesten Scheiß auf dem Asphalt dieser Welt gekostet.
 

 

Trockenfisch in Odessa

Der handtellergroße Fisch gelangt direkt vom Meer auf das Trottoire. Dort dünstet er in der Schwarzmeersonne so trocken aus, wie er an der Strandbar in ihren Mund gelangt. Beilagen sind nicht vorgesehen; schon die Frage nach Brot erzeugt große Fragezeichen in den Gesichtern der Trockenfischköche. Die Zähigkeit des Fisches ermöglicht dafür ein langes, hungerstillendes Kauerlebnis.

 

Frische Kuhmilch in Indien

Das Rind ist die heilige Kuh Indiens. Es bildet das Ende einer langen Nahrungskette, weil es sich vom Straßenmüll ernährt. Trinken Sie frische indische Milch, so nehmen Sie automatisch alle anderen Gerichte des Subkontinents mit in sich auf. Lassen Sie aber unbedingt diesen Gedanken los, wenn Sie das Milchprodukt Lassi trinken.

 

Indian Pudding

Dieses ungenießbare Gericht erfährt mit dem Label "Streetfood" einen allerletzten Marketing-Versuch. Geschmacklich kommt Indian Pudding dem Kinderscherz sehr nahe, Mutters Fettreste aus Ente oder Karpfen mit Unmengen Zucker und Kakao zum Dessert hoch zu würzen. Wem schon der erste Löffel nicht mundet, der kann diesen Eindruck mit den nächsten drei Dutzend überprüfen, bis die obligatorische Supersize-Schüssel geleert ist.

 

Orientkonfekt

Kosten Sie in den quirligen Straßen von Istanbul, Kairo und Co. Süßdestillate wie Baklawa oder Halawat und wundern Sie sich, wie viel Zucker in eine einzige Praline passt (42 Würfel). Dafür werden die Zuckermoleküle zusammengepresst wie Sie im Getümmel eines Bazars/Soukhs. Die einheimischen Dentisten sparen sich so das Blombenentfernen vor der Erneuerung der Zahnfüllung - und Sie haben gleich nach der Rückkehr zuhause einen Termin.

 

Bizarrfood

Transkulturelles Challenge-Food liefert Ihnen wunderbare Geschichten für den Grillabend zuhause. Beispielsweise das kambodschanische Ekelspinnen-Schmaus Tarantulas, die niederländische Mehl-Fleischrest-Rolle Frikandel oder Faggot, das walisische Potpurrie schweinischer Innereien. Hat Ihr ach so tougher Metabolismus es bewältigt, werden Sie von allen bewundert. Dito wenn Sie stattdessen von Magen-Darm-Turbolenzen berichten können. Allerdings:

 

Local streetfood

Wer plump Frittiertes, in Fett Mariniertes oder Totbesoßtes genießen will, muss nicht in die Welt hinaus. Er findet auf Deutschlands Straßen in Mayonnaise ertränkte Pommes und Bratwurst aus Restebrät mit Matschesenf. Autobahn-Raststätten halten für Sie Broiler und Leberkäse lange in der Retro-Warmhaltevitrine bereit. Wem das nicht reicht, dem sei gesagt: Verstöße gegen Hygienevorschriften gibt es auch bei uns. Wem auch das noch nicht genügt, der esse weggeworfenes Streetfood.

 

Fazit

Für Frischluftskeptiker gibt es bereits Indoor-Streetfood. Was direkt auf dem Straßenteer gegart wurde, ist bodenständig. Und in Straßenstaub Gewendetes hat Street Credibility. Bei der Recherche zu diesem Artikel wurden uns sogar Burger und Nordsee-Brötchen als Halsverenger-Exempel des Streetfoods empfohlen. Folglich ist das gehypte Thema bereits mehrfach durchgekaut und gegessen. Richtig cool können Sie dafür noch mit Streetfood sein, wenn Sie verzehren, was frisch überfahren wurde, z.B. "Ragout Pirelli" (aus Igelfleisch).

 

 

 

Fragwürdig, aber fraglos ungewöhnlich: Streetfood aus frischem Pottwal in Taiwan