Kneippen

03.07.2013 18:20

Sebastian Kneipp schritte begeistert im Grabe auf und ab, wüsste er, was heute alles unter seinem Namen firmiert. Vom Wassertreten ist der Weg zu Wandern und Wasserader so kurz wie der vom Spazierengehen zum Walking - und vom Kneippen zum Kneipen.

Mentorin Walburga V. aus Dortmund buchte einige Kurzreisen - nicht weil sie naiv genug gewesen wäre, nach Jahrzehnten an die Spontanheilung ihrer chronischen Krankheiten (Arthrose, Reizdarm, Zynismus) zu glauben, sondern weil sie Dr. Placebo für ihre Zwecke einspannen wollte.

Beim Brainwalking war sie u.a. im "Zahlensubtrahieren im Rückwärtslaufen" die beste, obschon sie sich verulkt vorkam. Auch beim kontrollierten Verlaufen fasste sie schnell Fuß, war sie doch Shopping-Mall-erprobt. Im Pfälzer Ebertsheim bezwang sie mühelos die nur dreizehn Kilometer des Kneipp-Marathonwanderwegs, während sie zur Verkürzung der Zeit eine orale Kneipp-Kur einnahm und über die Nebenwirkungsklagen der Mitlatschenden schmunzelte. Eine Kräuterwanderung im Südschwarzwald sollte Walburgas Bauchhirn schulen; die Erfahrung hinterließ - wie Alfons Schuhbecks Kneipp-Kochseminar Ernährung und Phytologie – Die Heilkraft von Gewürzen - immerhin ein paar Spuren im Kuriositätenareal ihres Hippocampus.

Am besten tat Walburga noch unten-ohne-Hiking (vulgo: Barfußlaufen), aber das hätte sie längst von selbst praktiziert, wohnte sie nicht in einem Glasscherbenviertel. Walburba beschloss endgültig, einfach so daran zu glauben, dass ihre Beschwerden besser würden. Dazu brauchte sie nichts krampfhaft Geselliges; Grund über derlei zu kotzen hätte sie auch ohne die Heilwanderung gemeinsames Erbrechen gehabt.