Katastrophentourismus

05.06.2013 17:28

Immobilienscout Jan-Rainer Z. aus Himmelmert sah seine Pfründe nicht davonschwimmen, als er am 5. Juni 2013 bei Sonnenschein in Dresden ankam. Die Brücken über die Elbe waren gesperrt, Feuerwehr und Polizei nötigten ihn immer wieder, seinen 7er BMW zu stoppen, während unschöner Schlamm zunehmend dessen Exterieur-Design eintrübte. Seine neulich erworbenen Objekte, drei Gründerzeithäuser mit 37 Wohneinheiten im Alternativviertel Neustadt, würde er zwecks beschleunigter Entmietung ohnehin nicht so schnell erreichen. Freilich hatte er im Vorfeld verifiziert, dass die Häuser außerhalb jeglicher Gefahrenzone für Hochwasser lagen.

So sah er sich nun in Ruhe zu Fuß das besondere Ereignis in der Stadt an, beobachtete den Wasserpegel, während der Wert seiner trockenen Immobilien im gleichen Maße stiege. Die Preise überfluteter Objekte sänken dagegen so schnell wie das Wasser in ein paar Tagen. Deren bankrotten Besitzern wären sie günstig abgekauft und bald an ahnungslose Auslandsinvestoren abgestoßen.