Ein neuer Mensch mit Ayurveda

15.03.2015 10:19

 

Frauken U. (57), Assistentin der Geschäftsleitung aus Uberursel, hat uns das Tagebuch ihrer Ayurveda-Kur in Sri Lanka überlassen:

  • 1.3.2014: Meine beste Freundin Ingrid ist als anderer Mensch aus ihrem Ayurveda-Urlaub in Sri Lanka zurückgekehrt. Sie ist mit sich, mit mir und der Welt im Reinen. Da hat sie mir drei Dinge voraus. Die muss ich auch haben!
  • 1.3.2015: Ich komme im Lotus-Ressort im srilankischen In-Ort Unawatuna an. Um drei Uhr morgens begrüßen mich kaffeebraune Sri-Lankesinnen mit Kokossaft, Aloe-Vera-Wickeln und einer Kette aus Orchideenblüten.
  • 2.3.: Es geht los. Die Auseinandersetzung mit mir und Ayurveda. Ich nehme mir vor, alles mitzumachen, auch wenn es weh tun sollte. Das Ressort hat einen paradiesischen Garten. Die erste Herausforderung für mich: zwischen den Palmen, Bananenstauden und Lotusblüten ein handtaschengroßer Gecko! Ekelhaftes Urzeitviech in durchsichtiger Hautfarbe! Wo das ist, kreucht sicher auch viel Stechgetier herum. Warum sterben immer die falschen Tiere aus? Doch einer der liebenswerten serviceorientierten Hausdiener verscheucht das Gecko-Ungetüm mit einem Bambusrohr. Ich frühstücke bei Vogelgezwitscher.
  • 3.3.: Menschen, die mich noch nie vorher gesehen haben, beschäftigen sich mit meinen Augen, meiner Haut, meiner Temperatur und meiner Zunge. Freche Languren-Affen schleichen sich immer wieder in den Garten, um meine Essensreste zu stehlen. Die Sri Lanki vertreiben sie mit Stockschlägen.
  • 4.3.: Sri Lanka ist ein Paradies. Meine Therapeutin Padma kuriert zuerst die Reste meines Yetlag. Massagen an Füßen, Rumpf und Kopf. Am besten ist Rejuvenation: Padma walkt mit ihren braunen Biegefüßchen über meinen Rücken. Ich schmelze. Duftendes Wasser löscht das Feuer in meinem Kopf. Schon vor dem Massagefinale schlafe ich ein. Es ist wie ein kleiner Tod.
  • 5.3.: Meine Muskulatur löst sich in selbstgemixten ayurvedischen Ölen auf. Die Biosäfte rinnen mir über Oberschenkel, Po, Rücken und Kopf. Frisches Papayamus lässt mein Gesicht leuchten. Kräuterstempel hinterlassen einen tiefen Eindruck in meiner Haut. Ich möchte nicht mehr denken.
  • 7.3.: Die Wirkung von Yoga, Meditation, Granatapfelsaft und Kräuterwasser mit Zimt und Kardamom erfüllt mich ganzheitlich. Ich kann nicht mehr denken. Eigentlich schon lange nicht mehr.
  • 14.3.: Die Kur ist vorbei. Ich habe alles Schlechte vergessen, weiß gar nichts mehr. Ich bin ein neuer Mensch.
  • 15.3.: Mein Mann und meine beiden Kinder empfangen mich zuhause in Oberursel. Ich erkenne sie noch, ja. Aber was soll ich bloß mit diesen unentspannten Menschen anfangen? Ich flüchte ins Hotel.
  • 20.3.: Ich habe kein Geld mehr fürs Hotel. Noch schlimmer als zuhause ist's auf Arbeit: allenthalben Termin-, Handlungs- und Eifersuchtsterror.

Anmerkung der Redaktion
Am 18.3.2015 trank Frauken aus Verzweiflung einen halben Liter Ayurvedaöl. Das Öl jedoch verließ ihren Körper durch sämtliche Öffnungen. Am 19. injizierte sie sich das Öl intravenös. Frauke starb einen wunderschönen Tod. R.I.P.!

 

 

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