Dresden

01.12.2013 11:06


Wäre Dresden eine Frau, hätte Rubens den üppigen Körper geliefert und Schäuble den kleinen Geist. So prosperiert Dresden pfundig in kognitiver Ökonomie ― z.B. zur Adventszeit, wo sich die Innenstadt als einziger Après-Ski-Weihnachtsmarkt präsentiert. Unter (kalorienfreier) Rundum-Illumination wird der Körper "vollumfänglich" mit Kalorien und der Geist mit Spirituosen gefüllt.

Historisch war Sachsen barocker Fülle immer sehr zugetan. Daher verlor die  sächsische Operettenarmee  von Dresden aus jeden Krieg bereits in der ersten Schlacht mit mindestens 0:4. Die Niederlagen wurden auch dadurch begünstigt, dass sich Sachsen u.a. unter August dem Starken schon vor Kriegsausbruch mit Kunstanschaffungen und Festivitäten (nach dem Vorbild Ludwigs XIV) dermaßen verschuldet hatte, dass kein Söldner einen Werkvertrag beim sächsischen Heer unterzeichnen mochte.
Infolge der schnell abgeschenkten Battles" hatte man in Dresden („Tal der Ahnungslosen“) keinen Schimmer, wie verheerend Krieg ist, und warf sich Hitler noch willfähriger an die Hühnerbrust als anderswo. Während die Bomberpiloten der Alliierten dann am 13.2.1945 einflogen, wiesen die Dresdner ihnen aus Augustscher Gewohnheit mit einem begeisternden Feuerwerk auf der Elbe den Weg. Dem wollten die Piloten dann freilich nicht nachstehen.

Heute hat man in Dresden aus Katastrophen gelernt und inszeniert sich alle paar Jahre erfolgreich als Elbvenedig.
Nach dem Anschluss wurde Dresden mit dem Geld gieriger Westdeutscher aufgebaut, wodurch heute gleichzeitig Barock, Jugendstil und Gründerzeit von Blase- bis Leutewitz blühen. Die verbliebenen Bombenkrater hat man mit architekturfreien Shopping-Malls befüllt, weil man glaubte, Leipzig als Handelsstadt Konkurrenz machen zu können, wenn H&M, C&A und Co. mindestens je fünf Filialen in der Innenstadt betreiben. Da man in Dresden seit jeher die Vernunft fürchtet, hat man diese im Alternativstadtteil Neustadt ghettoisiert — um dort anschließend die Gentrifizierung auszurichten.
Durch die nichtgelernte Lehre der Geschichte bevölkern Dresden und sein Umland heute statt Immigranten Glatzen (Volksmund: „Nachts sind alle Glatzen blau.“). Dafür werden die Fans von Dynamo Dresden bundesweit respektiert; nicht zufällig nennen sich gleich mehrere Freizeitkickermannschaften „Dynamo Tresen“. Apropos Glatzen: Die Einwohner der Stadt tragen entweder gar keine Frisuren oder das Haar gleichzeitig in Pechschwarz, Goldmarieblond und Zinnobergrün. Hochverdientermaßen hat die Unesco in der Folge Dresden das Weltkulturerbe entzogen.

Reiseblogger Patrick A. notierte neben diesen Erkenntnissen das trotz allem von Politikern und Kulturschaffendenen gepflegte Selbstbewusstsein der Stadt. Dieses sei angesichts des z.B. architektonischen Stumpfsinns rein intrinsisch, also in sich selbst begründet; was aber auch eine Kunst sei. ― Und dafür stehe Dresden ja.

 

Sympathiebotschafter ihrer Stadt: Die Dynamo-Dresden-Fans im "K-Block" des "Glücksgas-Stadions".