Diäthotel

17.11.2013 10:45

Roswitha U. (63), Claqueurservice-Sekretärin aus Irxleben:

Ich habe dreißig Jahre Erfahrung mit Diäten, fragen Sie nicht! In den 80ern habe ich sämtliche Saft-, Obst- und Gemüsediäten mitgemacht, später Weight Watching, Friss die Hälfte, Trenn- und Vollwertkost, Slimfast, Entschlackung, Ballaststoffe, Trinkkur, Fettabsaugen, Fettdiät, Blutgruppendiät, Hastenichgehungert, All you can eat usf. Und alles war erfolgreich! Von meinen 95 gleichmäßig auf einen Meter 65 verteilten Kilo bekam ich jedes Mal mindestens fünf runter - je länger Diätfraß, desto mehr. Freilich schlug jedesmal die jeweils nächste Kur an, nachdem mich mein Kampfgewicht schnell wieder umhüllt hatte. Klar, Sie denken nun: Ernährung dauerhaft umstellen! Aber wie soll das gehen, wenn deinem Körper die Kalorien aus den Kühlschrank nun mal am besten schmecken? Und selbst wenn du dir alles Schmackhaffe verkneifst, durch jahrzehntelange Hungererfahrung weiß dein Körper nach zwei, drei Wochen Schmalkost, das Fett und den Zucker aus den Diätportionen zu ziehen. Sport? Darauf ist gepfiffen, denn der macht mich drei mal so hungrig, als dass er Kalorien verdampfen würde. Meine Faustregel: ein Kilometer Laufen, ein Burger.

Da hörte ich von einer Bekannten, dass ich die mal wieder ultimative Methode überhaupt noch gar nicht  probiert hätte: Diät-Spa mit Arzt, Dauerwohlfühlgewicht ohne Hungern, klar, mit der Logi-Methode. Ich war natürlich skeptisch, aber für einen Preis von 1699 Euro für sieben Tage im Zimmer „Amour fou“ im Allgäuer 4-Sterne-Hotel musste was geboten sein. Und fürwahr: immer fein ansortierte Malzeiten, filigran geschnitztes Gemüse auf dem Grund von Riesentellern, ein wenig Wellness und, ganz wichtig, ein Arzt mit Placebo-Garantie. Logi heißt übrigens „LOw Glycemic and Insulinemic Diet“, also wenig Zucker, Energie und Stärke, was durch das Insulin den alten Hunger nur mit neuem stillt, stattdessen viele Nährstoffe und Eiweiße, die lange satt machen usw.

Kurzer Sinn: Seit einer Woche bin ich wieder zuhause. Von den abgenommenen sieben Kilo ist nur eines wieder drauf. Gut, drei Kilo verlierst du bei jeder Art von Diät, weil der Körper einfach den entbehrlichen Anteil seines Wasserhaushalts ausscheidet. Mein Süßer verspottet mich, weil ich soviel Geld ausgegeben habe ― nur um nichts zu essen zu bekommen. Seit Jahrzehnten sagt er auf, dass er jedes meiner Pfunde liebe. Aber ich liebe die nicht!

Nun schreibe ich täglich in mein Logi-Buch, was ich gegessen habe, lese aus der Tabelle ab, wie viel das in Zucker, Stärke, Nährstoffen und Eiweißen macht, und wie ich so meinen glykämischen Index niedrighalte. So spachtele ich praktisch nur noch Vitalstoffobst- und gemüse, kein Brot, keine Nudeln, kein Reis mehr, toll.

Sie werden sich nun fragen, warum ich mir das antue nach allem, wie ich mich schon durchgehungert habe. Ich verrate es Ihnen: Wenn es soweit ist, möchte ich auf keinen Fall Übergröße. Die Standard-Sarggröße von 200x70x65 cm ist mein verbleibendes Lebensziel. Wenn nicht, soll auf meinem Grabstein stehen: „Roswitha wog 95 Kilo bei Körpergröße 1,65. Essen tat sie aber nur für 55kg. Allein ihr vermaledeiter Metabolismus machte sie fett. Danke, liebe Gene!“

 

 

Frühstück im Diäthotel in Santa Clara/Kuba.