Costa Blanca

09.06.2013 09:50

Die Reichen und Prominenten verschmähen die Costa Blanca und das freilich nicht deshalb, weil dort nach dem zweiten Weltkrieg viele Nazis ihre Arierhaut gebräunt haben. Zwar sollen zu den fünfzehn bereits bestehenden Golfplätzen weitere fünfzig hinzukommen, aber die sind genauso wenig zur Bespielung gedacht wie die einstürzenden Hotelkästen zum Wohnen und die Shopping Malls zum Einkaufen. Die Costa Blanca ist bloßes Verkaufsprojekt für mittelmeerunkundige Immobilienhaie, die sich über 200 Kilometer Küste erstreckenden Bausünden sind nur kollateral.

Dabei ist den Reiseanbietern kein Vorwurf der Unehrlichkeit zu machen: Sie quartieren Kunden wie die Fleischfachverkäuferin Sieglinde T. aus Oberursel mit Mann und zwei Kindern, insgesamt 700 „Freunde der Sonne“ (Stefan Effenberg), in einem überdimensionierten Betonquader der „Massenmenschhaltung“ (Wiglaf Droste) an der Strandautobahn ein. Unmissverständlich tischt man ihnen in der Bahnhofshalle von Speisesaal Bratwurstimitate mit verdünntem Vulgärsenf und Matschepampe auf und lässt sie zwei Wochen lang in der vegetationsarmen Halbwüste braten. Nach dem fünften Versuch im fünften Hotel am fünften Ort versteht Sieglinde T. heute endlich: Die Costa Blanca ist kein Urlaubsgebiet.

 

Funktionale Snacks: an der Costa Blanca ein Segen gegen dehydrierte Kopfhaut