7 Reisetrends 2017

10.06.2017 09:37

Im Jahr 2017 muss es genau 7 Reisetrends geben. Als arbeitsskeptische Reisejournalisten freuen wir uns demgemäß bereits auf das trendfreie 2020, in dem wir nichts von anderen Seiten zu klauen brauchen.
 

1. Die Millennials

Die zwischen 1980 bis 1999 Geborenen haben zwar mehrheitlich längst das Erwachsenenalter erreicht, konsumieren aber immer noch so gedankenlos wie die nach 2000 geborenen Kinder und werden deshalb als Millennials bezeichnet. Als jüngste und willfährigste Generation mit verschleuderbarem Einkommen haben sie ihren führenden Status in der Tourismus-Branche gesichert. Damit die lebenslang Verkindeten der Generation XY ihr Einkommen möglichst ganzheitlich fürs Reisen und damit die Flucht vor ihrer inneren Leere drangeben, schreiben wir ihr Trend #1 zu. Dabei können wir (der Hohlheit dieser Generation wegen) gar nicht sagen, worin der bestehen könnte.
 

2. Aktiv- und Abenteuerreisen

Durchorganisierte Safaris in Afrika, Wandern in der Schweiz oder auf abgelatschten Pilgerwegen, Radfahren auf irgendwelchen Straßen dieser Welt. Hauptsache, man lässt sich derlei als Abenteuer verkaufen. An #2 der Liste steht zwar rein gar nichts Neues, aber wir müssen die sieben Trends ja vollkriegen.


3. Alleinreisende Frauen

... sichern, dass das Sicherheitsthema auch den Tourismus beherrscht. Gemäß dem Motto "safety sells" kaufen alleinreisende Frauen alles, was der Angst begegnet, aber sie gleichzeitig aufrecht erhält: Pfefferspray, Burkas, überteuerte Frauenzimmer, muskulöse Lover. Merke: Frauen entscheiden eh immer, wo's lang geht - als Alleinreisende oder Fremdenführerinnen. Männer finden umgekehrt Single-Travellerinnen verführerisch und gesellen sich einfach dazu. So können schließlich Frau und Mann zusammen alleine reisen. Trend #3 ist für die Ewigkeit.
 

4. Food-Tourismus

Kulinarische Erlebnisse sind nicht auf einfaches Außer-Haus-Essen, Schlemmen im Straßenstaub, begrenzt. So gibt es Esstouren auf dem Bauernhof, bei denen der Gast nach altem Brauch lernt, sich primitives Essen (Brotsuppe) reinzuschlingen. Wie früher bestimmt die (schlechte) Laune des Bauern, wann die Mahlzeit beendet ist - nämlich dann, wenn der Bauer keine Lust mehr auf Brotsuppe hat (und sich abseits der Touristen einen Country-Burger gönnt). Überall andernorts werden für Esstouristen eigens Wochenmärkte initiiert. Am hottesten sind aber derzeit Kochkurse bei fünfzig Grad in Armenküchen. Anbieter solch eines authentischen Erlebnisses, z.B. die Zubereitung von Steingerichten in Kenia, verbinden auf diese Weise Produkte mit den Menschen und den Traditionen vor Ort. Mit dieser Information im Hinterkopf wird jede Customer Journey aktiv gestärkt, was immer dieser Satz bedeuten mag. Trend #4 wird so lange dauern, wie der Mensch essen wird.
 

5. Verantwortungsbewusster Urlaub

Eine Reise muss nicht nur die hedonistischen Bedürfnisse befriedigen, sie muss sich auch verantwortungsbewusst anfühlen. Stichworte nachhaltig, sozial und ökologisch. Wer z.B. durch CO2-lastige Flüge nachhaltig auf den Planeten einwirkt, sollte sein Gewissen einem gründlichen Green- und Social-Washing unterziehen - und eine Reise buchen, die für das Gefühl der moralischen Reinigung einen Aufpreis nimmt, z.B. Ökogolfen. Merke: der Planet verzeiht es, wenn man ihm einen ökologischen Fußtritt gibt; man muss ihm anschließend nur ein paar selbstgerupfte Blüten drüberstreuen. Trend #5 besteht so lange, wie es diese Welt noch geben wird.
 

6. Mobile Fotografie

Bekanntlich hat man mehr vom Urlaub, wenn man ihn permanent und mit allen verfügbaren Medien dokumentiert. So beginnen die Ferien tatsächlich erst nach Heimkehr und Aufbereitung des zusammenfotografierten und -gefilmten Materials. Dafür lassen sie sich anschließend beliebig oft in Echtzeit zuhause nacherleben. Trend #6 wird sich von selbst immer weiter verlängern.
 

7. Geschäfts- und Freizeit-Reisen

Der alte Hut, Geschäftsreisen für Urlaubszwecke zu missbrauchen, hat mit Bleisure Travel immerhin einen neuen, trendigen Namen erhalten. Dabei ist es schon lange Usus, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. Wir erinnern nur daran, dass die besten Geschäfte seit jeher im Bordell abgeschlossen werden - je wichtiger, an umso exotischerem Ort. Findige Reiseanbieter unterstützen den, der Business und Leisure auch finanziell vermischt, in kreativer Buchführung. Trend #7 lebt, so lange es der Kapitalismus tut.

 


Zum Weihnachtsurlaub am Strand wird die Kundschaft mittels Ganzheitlichkeit abgeholt. Alles wird miteinander vermengt, so ist für jeden etwas dabei.